Am Samstag, den 17.1., wurde in der Mediathek der Emil-von-Behring-Schule zum 9. Mal die “Galerie in der Schule” eröffnet. Zum Teil großformatige Fotos und Gemälde des Künstlerpaares Werner Eismann und Inge Eismann-Nolte können zur Zeit im besonderen Ambiente des ehemaligen Turnergartens, jetzt Mediathek der Emil-von-Behring-Schule, betrachtet und erlebt werden. Auf musikalische Weise untermalt wurde die Veranstaltung durch Musik der Band “Softeis”, (heute mit Werner Eismann, Bass, und Gerhard Eismann, Gitarre, sowie Ronny Moucka, Gesang), die in Marburg schon seit Jahrzehnten als Garant für gute Rockmusik bekannt sind und heute “unplugged” Cover-Versionen von Deep Purple spielten.
In der Begrüßung erklärte Konrektor Michael Brauer das Konzept der Ausstellung, die seit 2018 jährlich in der EvB stattfindet: Im Wechsel mit Künstlern stellen auch Schülerinnen und Schüler ihre Arbeiten aus dem Kunstunterricht im Rahmen dieser Ausstellungsreihe vor, was im nächsten Jahr wieder der Fall sein wird. Dabei betonte er die besondere Verbindung von Werner Eismann zur Emil-von-Behring-Schule, der hier über lange Jahre Kinder am Nachmittag betreute und so seine “Spuren hinterließ”. In bester Erinnerung sind hier vor allem die Auftritte, die er mit Schülerbands organisierte sowie viele kreative Impulse für Schülerinnen und Schüler durch seine Arbeit als Betreuer. Werner Eismann hat sich darüber hinaus als Foto-Künstler einen Namen gemacht, mit dem unverwechselbaren Erkennungszeichen, dass er seinen Bildern je nach Wärme- und Kälte-Empfindung eine Gradzahl zuordnet. In der digitalen Bildbearbeitung entstehen aus Fotos von Architektur und Landschaft magische Plätze mit besonderer Betonung auf Perspektivität: Eher “banale Szenen geben dem Betrachter das Gefühl, für einen Augenblick in einer anderen Welt zu stehen - schrill, surreal, futuristisch”, wie Konrektor Gerd Schiebl in seiner Laudatio für das Künstlerpaar bemerkt. So zum Beispiel gibt es eine Aufnahme einer Einkaufspassage in Rom, die durch Licht und Spiegelungen das Gefühl von tiefer Räumlichkeit erweckt.
Das Spiel mit Perspektivität ist es auch, was seine Foto-Kunst mit der gegenständlichen Malerei seiner Frau Inge Eismann-Nolte verbindet: auf Werken in Öl, Acryl und Tusche auf Leinwand und zum Teil selbst gebauten Bildträgern werden Menschen und Tiere in zum Teil realistischer Präzision dargestellt, Architektur, Landschaften und Räume “fungieren als eigenständige Akteure”. So gibt es ein großformatiges “bemaltes Objekt”, das nicht nur als Gemälde mehrere Perspektiven aufzeigt, sondern auch dredimensional als Plastik mit unterschiedlichen Fluchten wechselt und so den Betrachter in seinen Bann zieht. Darauf sind mehrere Räume mit einer Bildergalerie zu sehen, die von Wänden und Türen voneinander getrennt sind und sich je nach Standpunkt des Betrachters nach vorne und nach hinten zu bewegen scheinen. Hier spielt die Künstlerin mit einer Interpretation des Gehirns, das versucht, aus zweidimensionalen Bildern auf der Netzhaut eine dreidimensionale Welt zu konstruieren. Ganz anders künstlerisch umgesetzt, aber eine ähnliches Involvement des Betrachters wecken die realistisch gemalten großformatigen Tierportraits hervor: Nicht nur scheinen die Tiere den Betrachter direkt anzuschauen, auf den zweiten Blick zeigt sich auch hier die Dreidimensionalität einiger Portraits, Teile der Gesichter sind plastisch ausgearbeitet und “verlassen” so die zweidimensionale Fläche, scheinen dadurch mit uns in Interaktion zu treten.
Eine weitere tiefe Sinnhaftigkeit erfährt die Foto-Kunst von Werner Eismann durch seine Verbindung zur kriegsversehrten Welt in der Ukraine: Er selbst hat Kriegsorte besucht und dort fotografiert, seine Interpretationen der Fotos erfahren durch diesen Hintergrund eine besondere Atmosphäre und Tiefe. Sein Markenzeichen, die “Wusch-Technik”, sowie eine zum Teil überbordende Farbigkeit stehen im Kontrast zu harten Linien und somit der Realität des Krieges vor Ort und lassen uns nachdenklich vor den Orten des Geschehens stehen, eindrucksvoll im Großformat auf Acryl-Bond gedruckt.
Zum Schluss der Veranstaltung wies Schulleiter Konrad Simon auf die Bedeutung von Kultur und Kunst an der Emil-von-Behring-Schule hin, die durch die jährliche Ausstellung insbesondere für Kinder und Jugendliche erfahrbar wird.
Die Ausstellung ist bis zum 11.Februar in der Mediathek der Emil-von-Behring-Schule (Di bis Do von 11 Uhr bis 14 Uhr) zu besichtigen. Auch musikalisch wird es noch ein Highlight geben: 28. Januar um 18.30 Uhr wird Christian Wustrau mit Band im Rahmen der Ausstellung auftreten.
Gerlinde Mitschke



























